2002

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Nachfolgender Text von Manfred Schott (Ispringen) stand in der örtlichen Presse:

Die Qualität einer Spätlese

Bilfinger "Mäddich-Bühne" attackiert Zwerchfell drei Stunden lang mit "Pleitegeier
auf Gut Weinstein"

 

KÄMPFELBACH-BILFINGEN. Die Bilfinger "Mäddich-Bühne", als Laienspielgruppe
1993 gegründet und seit 1995 im "Kronensaal" etabliert, startete mit "Pleitegeier
über Gut Weinstein" am Wochenende in ihre achte Spielsaison.
Sowohl dem heimischen Autor Wolfgang Haberstroh (auch Vorsitzender des
zwischenzeitlich eingetragenen Vereins mit über 40 Mitgliedern) wie den
Schauspielern, allesamt Naturtalente unterschiedlichster Prägung, ist mit diesem
Stück wieder ein großer Wurf gelungen. Die Handlung des Schwanks in drei Akten
war witzig, spannend und außerordentlich pointenreich. Vor allem lebten die Szenen
von unzähligen amüsanten Wortspielereien in den Dialogen. Es war eine hohe Kunst
der Laienschauspieler, dass sie ihre Einsätze punktgenau und damit so wirksam
brachten. Sie hatten ihre Hausaufgaben gemacht und so konnte Torsten Franz als
Souffleur unbemerkt vom Publikum im Hintergrund arbeiten.

So war es nicht verwunderlich, dass während der fast dreistündigen Aufführung fast
pausenlos große und kleine Lachsalven das schon in die Jahre gekommene
Gemäuer des "Kronensaales" erschütterte. Erstaunlich auch immer, was das
Mäddich-Team gestalterisch aus der kleinen Bühne macht. Nach dem Entwurf von
Tina Haberstroh verwandelte Alexander Knauß und seine Akteure sie zum
aus Sandstein gemauerten Gewölbekeller, wohl dem einzigen Raum in dem von
Baumaschinen zwecks Autobahnbau bedrohten alten Weingutgemäuer.
Die Haustreppe war schon weg und das Häuschen mit dem Herzchen wurde "Rosi"
alias Margit Günther buchstäblich unterm Hintern weggeschoben, was ungeahnte
Folgen hatte.
Zum Totlachen hat sie ihre als "geistig sehr zurückgebliebene" angelegte Rolle als
Schwester der Gutschefin "Lissy" gespielt.
Lissy (Viola Vielsack), die einzige Geschäftstüchtige, hatte alle Hände voll zu tun, um
den Clan überhaupt noch über Wasser zu halten. Sie begehrte der Winzernachbar
"Eugen" alias  Alfred Kasper, dessen Expansionsgelüste am Ende unerwartet aus-
gebremst wurden.
Antonia Emsig (Sabine Franz) stützte den maroden Betrieb, wo sie nur konnte,
wenn´s sein muss ohne Lohn, doch die Belohnung kam zum Schluss. Da war
nämlich noch ein gewisser "Loisl", der immer dann, wenn es mit Arbeit ernst wurde
 "die Fässer putzte". Wer ihn kennt weiß, dass bereits die Mimik und Gestik von
Hubert Sandner reicht, um das Zwerchfell zu kitzeln.
Er machte aus dem Gerichtsvollzieher "Hühnerklein" (Wolfgang Haberstroh)
kurzerhand einen Italo-Winzer namens Guiseppe. Dessen Nachforschungen ist es
schließlich zu verdanken, dass es Halbschwestern und Halbbrüder in der Familie gibt.
Ob es auch zwei Halbväter gibt, ist nicht klar geworden. Doch die gemeinsame Mutter
ist Gutsbesitzerin Vroni Weinstein alias Ursel Schunck. Sie nervte als jung gebliebene
Motorrad-Gang-Chefin und Kleptomanin alle miteinander.
Wie das alles endet, soll hier nicht verraten werden, denn auch für die sieben weiteren
Thearterabende muss die Spannung erhalten bleiben.
Erstellt am: 27.02.2002